… lese ich soeben im Online-Portal der ARD-Tagesschau
Da soll sich doch gestern tatsächlich eine bis auf die Zähne bewaffnete Kampftruppe ein Grüppchen von 170 Männchen bei schlechtem Wetter verlaufen haben und ist auf Liechtensteinisches Hoheitsgebiet geraten.
Aber die Entwarnung wird gleich mitgeliefert:
Kanton Wallis in der Schweiz – noch unberührt vom liechtensteiner Gegenschlag….
Das erinnert mich an meine eigene Zeit bei der Armee …
Ich war als Oberleutnant im Stab einer Division eingeteilt; ein "Laden" von rund 100 Offizieren. Um unsere körperliche Stärke aufrecht zu erhalten (?), hatten wir jährlich einen so genannten Stabsmarsch. Stil- und niveaugerecht Dekadenterweise absolvierten wir grosse Teile dieses "Marsches" auf Fahrrädern (aber immer nur bergabwärts), im VW-Bus und im Helikopter. Aber: ein paar Kilometerchen waren auch ein richtiger Marsch. Zu Fuss, wie es sich für einen Marsch ja auch gehört.
Unsere Gruppe war zu acht. Acht Offiziere, die natürlich und selbstverständlich jeder für sich der absolute und unschlagbare Spezialist im Kartenlesen war (genauso, wie jeder Schweizer natürlich und selbstverständlich jodeln kann und nur Käsefondue isst
). Dennoch war es sofort klar, wer denn nun unsere Gruppe mit der Karte in der Hand durch die Landschaft führen würde: der Ranghöchste, natürlich. Ein richtiger Major im Generalstab.
Das Zeitbudget für unser Märschchen war rund 1 1/2 Stunden. Wir waren noch keine halbe Stunde unterwegs, irrten wir ziemlich ratlos in einem dichten Wald umher. Bäume, dicht an dicht, und sonst gar nichts. Also ratlos waren nur wir, nicht unser Chefe. Nach einem Blick auf die Karte und einem Rundumblick in Karte erklärte er bestimmt: "Hier war bis vor kurzem eine Strasse!" Aha. Wir irrten weiter durch das Schweizerische Hoheitsgebiet und wir hatten auch nach rund 3 Stunden noch nicht wirklich eine Idee, wo wir waren und wo wir denn nun hin marschieren sollten. Unsere Sprüche ("Bist Du sicher, dass Du nicht aus Versehen, den IKEA-Katalog statt die Karte mitgenommen hast?" etc.) zeigten langsam aber sicher Spuren im Nervenkostüm unseres Kameraden mit den dem dicken Streifen auf der Schulter …
Irgendwann brach seine ganze Souveränität in sich zusammen und er schrie:
"Wenn jetzt noch einmal einer das Maul aufreisst, dann kann ein anderes Arschloch die Karte übernehmen."
(Genau gelesen? Ein anderes Ar…)
Ja, ja. Damals war alles anders
Wir mussten nicht im Fürstenländle einmarschieren, um Spass zu haben …
[Selbstkritische Anmerkung: Das war jetzt mal ein Blogartikel im Stil eines Schulaufsatzes. Jööö!]
Tja, das haben Stabsoffiziere so manchmal an sich: Sie wissen nicht, wann sie den Stab an einen anderen übergeben sollten
Grüße von einem Oberleutnant (nicht im Stab und schon lange nicht mehr im Dienst)
Grüsse zurück, von einem der den ganzen "Karsumpel" auch schon vor Jahren im Zeughaus abgegeben hat.