Vor etwas mehr als einem halben Jahr habe ich in einem Trigami-Review (Partnerlink) über citytrip.ch berichtet. Nicht nur positiv, auch konstruktiv-kritisch (sprich: mit ganz konkreten Verbesserungsvorschlägen). Der Auftrag war, "mindestens 99 Wörter" zu schreiben, geschrieben habe ich in meinem umfangreichen Review über 1200! Das Honorar war durchaus angemessen – die Rezension hat mir CHF 210.00 eingebracht.
Nun geht citytrip.ch in eine weitere Runde mit Trigami – konkret mit Trigami Freestyle. So werden Autoren gesucht, die Texte für das citytrip-Blog schreiben:
Hochwertigen, unique content zum Thema "Citytrip tips from locals und authentische Reiseberichte" gesucht.
Wir suchen auch hochwertige, AUTHENTISCHE Reiseberichte mit Bildern.
Texten? Hochwertig? Authentizität? Oh, das könnte etwas nach meinem Gusto sein!
Doch halt …!
Der Beitrag wird nicht im Blog des Bloggers, sondern im blog.citytrip.ch eingestellt [...] Dafür gewährt uns der Autor jeweils ein exklusives und zeitlich unbegrenztes Nutzungsrecht des Texts.
Der Blog Beitrag [...] darf auch nacher nicht woanders eingestellt werden (auch nicht im eigenen Blog).
Texte sollten ca. 400 – 700 Wörter enthalten und wir erwarten ca. 5 Bilder und ca. 5 Links.
Ausserdem benötigen wir [...] einen Link an die eigene Webseite oder Blog [...] Wichtig: Wir behalten uns vor, alle Links nach eigenem Ermessen mit „nofollow“ zu versehen, oder die Verlinkung wezulassen.
Auftragsfrist: 7 Tage
Exklusives zeitlich unbegrenztes Nutzungsrecht? Nicht im eigenen Blog? 400-700 Wörter, 5 Bilder, 5 Links? Ein Link zu meinem Blog, den die aber auch einfach weglassen können? Hochwertig? Mit Bilder? Und das in 7 Tagen? Und das dann auch noch für ein Honorar von (Achtung, festhalten!) bescheidenen mickrigen CHF 87.50?
Just kidding, oder? (Oder schwappt jetzt die unsägliche Geiz-ist-geil-Welle von Deutschland doch noch zu uns rüber?)
Mir hat ja von Anfang an nie eingeleuchtet, wie es Blogger gibt, die für ein paar Kröten ihr Blog verunstalten. So langsam aber sicher verkommt Trigami zu Realsatire.
[...] fragt sich zumindest Marcel von der B-Seite im Blogeintrag "Paid blogging: just kidding?". Ich kann es nicht beurteilen, da ich nicht bei Trigami dabei bin, doch verstehen tue ich [...]
War die zweite Anfrage auch via Jobblog oder allenfalls B-Seite? Dann dürfte nämlich die preisliche Differenz darin bestehen, dass das Jobblog einfach deutlich bekannter ist.
Aber die Arbeit bleibt natürlich die gleiche.
@ Ugugu: Ich habe Reviews immer so ausgewählt, dass meine JobBlog-Leserinnen und -Leser einen Nutzen daraus haben. Das Honorar war nicht mehr als ein "angenehmer Nebeneffekt" (der in den meisten Fällen erst noch einer gemeinnützigen Institution zugute kam).
@ Paddy: Das war auch mein erster Gedanke. Aber der angebotene Auftrag ist ja unabhängig von meinen Blogs (der Text wird ja ausschliesslich auf dem Blog des Auftraggebers veröffentlicht) und ist – in logischer Konsequenz – an mich als Person geknüpft.
Stimmt, hab's gerade auch gesehen. Normalerweise sind Aufträge an ein Blog verknüpft, aber das scheint wieder eine neue Auftrags-Form zu sein, die trigami ins Rennen schickt.
Wie auch immer, wir sind uns einig: knapp 90 Franken sind nix für den Aufwand. Da würd' ich ab 300 Franken aufwärts diskutieren. Eher aufwärts.
@ Paddy: sehe ich auch so, wenn (zu Recht) hochstehende Texte gefordert werden. Aber mindest so kopfschüttel-würdig wie das Honorar finde ich die extrem einseitigen Bedingungen (nur im citytrip-Blog, Backlink nach "Gütdünken" usw). Trigami-Blogger sind doch keine Textnutten, die alles mit sich machen lassen!
87 Franken für knapp kalkulierte vier Stunden Arbeit, alle Rechte beim Verlag: Die Trigami-Blogger nähern sich allmählich der Realität der Qualitätszeitungen an…;-)
P.S. Trigami-Blogger *sind* Textnutten!
@ Nick: Komisch, Dein P.S. will's bei mir nicht so richtig anzeigen …
Hallo Marcel
Egal welchen Preis ein Kunde als Vorschlag wählt, man kann es nie allen recht machen. Deshalb sind wir ein Marktplatz, der Angebot und Nachfrage, Gebot und Gegengebot verkörpert. Siehe auch: Die angebotenen Honorare sind mir zu tief. Was kann ich tun?
Gruss, Remo
PS: Wer sich als professioneller Texter engagieren will, dem empfehlen wir Supertext. Trigami deckt den gesamten Longtail ab (inklusive Head), Supertext nur den Head.
@ Remo
1) Wie ich schon oben geschrieben habe (Kommentar #6) ist es nicht in erster Linie das tiefe Honorar, das mich stört, sondern die sehr, sehr einseitigen Rahmenbedingungen.
2) Dass Ihr ein Marktplatz seid, weiss ich. Und dass Ihr zudem sehr agil seid, weiss und schätze ich auch. Deshalb habe ich anderswo geschrieben:
210 Franken für 99 Wörter? Naja, wer die Latte mal so weit oben hat, wird wohl nicht mehr reich. Gestern habe ich einen Auftrag einer international tätigen Presseagentur abgelehnt, die mir für "exklusive News", vornehmlich mit Bild und das Ganze in "hoher Qualität" 40 EURO pro Artikel angeboten hatte. Man stelle in der Regel zwar nur "studierte Journalisten" an, in meinem Fall wolle man aber eine Ausnahme machen…
So gesehen sind 150 Franken für 300 Wörter nicht schlecht, selbst 90 Franken für einen City-Bericht nicht. Ausser man hat dafür 4 Stunden Arbeit, was mir ein bisschen ein Rätsel ist.
210 Franken für 99 Wörter. Mit diesem Ansatz hätte ich in meinem halben Jahr bei Trigami 15'000 Franken verdient. Ein solches Honorar als "angenehmen Nebeneffekt" zu bezeichnen, brüskiert ein bisschen jene, die aus Spass bei Trigami mitmachen, oder nicht so viel bekommen.
Übrigens: In der News-Mail der oben erwähnten Agentur war heute eine Art Reisebericht über Paris verlinkt. 1'340 Wörter lang, das Bild von keystone, alles Copyright und ohne Link zum Webauftritt des Autors. Und das für 60 Franken….
[...] aufmerksam macht. Wenn ich die Zeichen der Zeit richtig deute, ist derzeit sogar eine regelrechte Ausstiegswelle im [...]
Es brennt mir auf der Zunge, die Vorwürfe zu entkräften, was aber in diesem öffentlichen Rahmen mein Interesse nicht ist. So nehme ich für den Moment dann gerne den Spott.
Nur soviel: Die meisten hier denken also:
1) "Alle die bei der besagten Kampagne mitmachen sind Idioten."
Wenn man sich aber die Mühe macht und die Blogbeiträge liest, muss man sich dann nicht fragen:
2) "Wie können Idioten solche Texte schreiben?"
@ Ralf
Aus welchen Kommentaren Du ableiten kannst, dass "die meisten denken", dass alle, die bei der Kampagne mitmachen, Idioten seien, kann ich nicht nicht nachvollziehen.
Ich selbst (und wie ich es sehe: auch die anderen Kommentierenden) habe nur für mich gesprochen: für mich sind a) Eure Rahmenbedingungen zu einseitig und b) das Honorar zu tief. Punkt.
[...] b-seite schreibt so zum Beispiel, dass einige Auftraggeber zu viel Verlangen und am Ende nur "mickrige 87.50 CHF" bezahlen würden. Aber, mei. In my honest opinion, Trigami ist ein schöner Service. Man kann sich mit einer Sache befassen, man lernt neue Dinge kennen und ja… Dennoch fürchte ich mich von der Tatsache, dass Blogleser Blogs meiden, deren Schreiber es nur "auf das Geld abgesehen" haben. In diesem Sinne möchte ich eine Erklärung abgeben: Ich blogge sehr gerne. Ich schreibe gerne über Dinge, die mich beschäftigen oder die mir über den Weg laufen. Ich bin ein armer Schüler, und möchte gerne ein Hobby haben, dass ich mit meinem mickrigem Schülerlohn zwar bezahlen kann, aber dannach kein Geld für Privates habe. Für einen guten Text gebe ich gerne einige Franken aus (sei es für die Zugfahrt oder für den Kauf eines Produktes), umso mehr, wenn mir ein Teil davon erstattet wird. [...]
…..Es gab auch kritische Stimmen zu unserer Aktion, wie zum Beispiel auf der B-Seite.
http://blog.citytrip.ch/billig.....von-t.html