Roman hat vor einigen Tagen das Yoda-Stöckchen erfunden und mir zugeworfen. Da ich ihm noch immer das Advents-Stöckchen schuldig bin, entledige ich mich hiermit meines schlechten Gewissens:
Erzähl uns etwas darüber, womit Du die meiste Zeit im Leben verbringst.
Schlafen ist es definitiv nicht. Obwohl ich in Verbindung mit der zunehmenden Ergrauung meiner Haarpracht auch eine Zunahme des Schlafbedürfnisses diagnostiziere. Lasst mich mal rechnen *auftaschenrechnerrumtipp* � Wenn ich das Bloggen (im JobBlog) zu 50% dazu zähle, ist's eindeutig das Arbeiten. Bevor jetzt aber jemand "Armes Schwein" oder so denkt: mir macht meine Arbeit Spass
Meistens, wenigstens.
Welchen Stellenwert nimmt in diesem Kontext Dein Blog ein?
Öhhh … jetzt war ich wohl zu schnell: bitte oben nachlesen
Würdest Du auch bloggen, wenn Deine Inhalte von niemandem gelesen würde?
Kaum. Ich würde natürlich weiterhin viel im Internet, in Büchern, in Zeitschriften usw. lesen. Und darüber nachdenken. Die Erkenntnisse, Ideen, Fragen usw. daraus würde ich aber nicht in einem Blog, sondern nur für mich festhalten.
Spielt Geld eine Rolle, wenn Du Deinen Blog pflegst? Wenn ja, welche und falls nicht, weshalb?
Kosten:
Ja. Weil mich die verschiedenen Domains und Webhostings, die ich für meine "Geschichten" habe, doch ein paar Hundert Franken im Jahr kosten.
Einnahmen:
Direkt? Wenig! Mit Partnerlinks, Amazon-Buchempfehlungen und einen Trigami-gesponserten Beitrag "verdiene" ich ein paar Fränkli pro Monat dazu. Wobei ich die diese Einnahmen in den meisten für wohltätige Zwecke (wie zum Beispiel bei Beats Weihnachtsaktionen) spende.
Indirekt? Ja! Durch meine Blogs habe ich teilweise exzellente Positionen in den Suchmaschinen und dadurch eine gewisse Popularität (ein grosses Wort, ich weiss) erreicht. Das fährt glücklicherweise dazu, dass die viele Kontakte, aus denen Beratungsmandate entstehen, übers Internet entstehen.
Verbesserst Du unsere Welt mit dem, was Du in Deinem Blog schreibst?
Ich nicht. Wenigstens nicht im Grossen. Aber ich weiss aus konkreten Feedbacks, dass ich durch meine Blogartikel schon einigen Menschen Denkanstösse geben konnte, mit deren Hilfe diese ihre eigene Situation (und damit ihre Welt) etwas verändern und verbessern konnten.
Wie lange möchtest Du noch bloggen?
Wollen? Noch ganz lange (weil's halt Spass macht). Sollen und/oder können? Wenn ich das wüsste …
Erbringst Du innerhalb oder ausserhalb der Blogosphäre ein soziales Engagement für unsere Gesellschaft?
Wenn man "sozial" auch so verstehen darf, dass man sich für andere Menschen (und wenn's manchmal auch nur einzelne sind), dann klar "ja". Ich nehme mir ab und zu die "Freiheit", für kürzere Beratung kein Honorar in Rechnung zu stellen. Ich engagiere mich seit bald 7 Jahren im Vorstand und in der Verwaltung unserer Miteigentümergemeinschaft. Ich habe in meiner Zeit im Gymnasium Nachhilfestunde in Mathe und Franz gegeben; einfach, um anderen zu helfen. Weil ein guter Freund von uns einige Jahre im Rollstuhl war (und leider an der fiesen Krankheit dann gestorben ist), weiss ich ein bisschen, mit welchen Hindernissen im Alltag Behinderte zu kämpfen haben; und spreche deshalb z.B. alle Nichtbehinderten direkt an, wenn sie auf einem Behindertenparkplatz parkieren. Ich war schon Präsident eines Tennisclubs. Ich habe mich vor über 25 Jahren ganz bewusst und freiwillig für eine Offiziersaufgabe in der Armee entschieden, weil ich damit meinen Anteil für unsere Gemeinschaft/die Bevölkerung leisten wollte (man muss kein "Militärkopf" sein, um in der Armee einen Teil der Gesellschaft zu sehen). Und ich war vor rund 3 Jahren für ein Amt im Schulrat und in der Fürsorgekommission nominiert (aufgrund parteiinterner Filz- und Machtkämpfe aber nicht gewählt worden – was nicht ist, kann ja noch werden).
Was bedeutet f�r Dich der Beginn eines neuen Tages?
Da bin ich ganz nüchtern. Der Tag beginnt mit dem Aufstehen, was ich (als Abend- und Nachtmensch) nicht besonders gern tue. Unmittelbar danach lege ich mir gedanklich Groben den anstehenden Tag zu recht: was steht an, was ist zu tun? (Manchmal hat das wirklich etwas "Getriebenes", trotz meiner doch schon 47 Jährchen; aber ich arbeite intensiv an meiner "Altersweisheit"
)
Was nimmst Du wahr, wenn Du Dich im Wald aufhältst?
Das Einfache, Schlichte. Ich kann – gerade zusammen mit unserer Nathalie – mich immer wieder an ganz kleinen Dingen erfreuen: wie eine Ameise eine Tannennadel schleppt; Blätter, die im Bach schwimmen; die "kurligen" Formen, die Baumstämme beim Wachsen annehmen können; die Wasserringe, die sich bilden, wenn man Steinchen in den Bach wirft; und, und, und … Und jedes Mal werden Erinnerung an meine Zeit als Bueb (mit kurzen Hosen und Kniesocken) wach.
Was denkst Du über Dein eigenes Sterben?
Darüber denke ich nicht oft nach. Nicht, weil ich es verdrängen möchte. Mehr aus einer nüchternen Einstellung heraus: wenn's dann eines Tages so weit ist, dann soll's dann so sein.
Weiterwerfen
Dann werfe ich mal drei Yoda-Stäckchen in die Luft und hoffe, dass diese drei je eines auffangen:
- Leu (in der Hoffnung, dass er inzwischen weiss, wie's weiter gehen soll)
- Paddy (obwohl der vermutlich noch immer seine Krawatten fotografiert)
- Stefan (der sich hoffentlich am übernächsten Samstag nicht verfährt in Zürich)
Epilog
Mensch, Roman! Das Stöckchen war aber jetzt ganz schön happig! Aber es hat zum Denken angeregt. Und damit hast auch Du ein Stöckchen zur Veränderung in der Welt beigetragen. Danke!
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